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Projektbeschreibung

Aufnahme ergebnisorientierter Honorierungselemente in das Kulturlandschaftsprogramm NRW

Ziele:
Erhöhte Effizienz des Mitteleinsatzes im Agrar-Umweltbereich,Allgemein mehr ökologische Vorteile bei verstärkter Teilnahme der Landwirte, Ermittlung des notwendigen Risikozuschlags für teilnehmende Landwirte, Nutzung der ökologischen Kenntnisse der Bewirtschafter


Beschreibung:
Landwirte sollen "Umweltqualität" als fertiges Produkt anbieten können und dafür entsprechend honoriert werden statt wie bisher für vorgegebene Maßnahmen. Wie muss das Honorierungskonzept ausgestaltet sein, um bei Landwirten, Landschaftsnutzern, Verwaltung, kontrollierenden Instanzen und rechtsetzenden bzw. finanzierenden
Institutionen Anklang zu finden?


Beginn: Januar 2002 Ende: Herbst 2003
Dauer: 18 Monate Status: abgeschlossen
Betreuer: Prof. Dr. Karin Holm-Müller
Finanzierung: MURL NRW
Kooperationen: Institut für landwirtschaftliche Botanik
BEARBEITER:

Kurzfassung
In diesem vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucher des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNLV) geförderten Projekt zur Einführung ergebnisorientierter
Komponenten stand die Entwicklung eines in dieser Hinsicht modifizierten Honorierungskonzepts für die naturschutzgerechte Bewirtschaftung von landwirtschaftlich genutztem Grünland im Mittelpunkt.

Die Bearbeitung des Projekts gliederte sich in zwei Bereiche: zum einen den ökonomischen Part, in dem die finanzielle und rechtliche Ausgestaltung des Konzepts erörtert wurde sowie dessen Akzeptanz bei im Vertragsnaturschutz tätigen Landwirten, und zum anderen in den ökologischen Part, in dem es um die Entwicklung eines geeigneten Erfassungs- und Bewertungssystems der ökologischen Qualität von Grünland ging.

Für den Vertragsnaturschutz in Nordrhein-Westfalen hat es sich als optimal erwiesen, die
Bewirtschaftungsauflagen nur dahingehend zu lockern, dass eine im Sinne des Naturschutzes positive Änderung des Pflanzenbestandes möglich ist, und gleichzeitig keine Nachteile für abiotische oder faunistische Ressourcen zu erwarten sind. Der dem Landwirt durch die Auflagen entgangene Nutzen wird mit einem entsprechenden Sockelbetrag entgolten, zu dem ein ergebnisabhängiger monetärer Zuschlag für eine bestimmte ökologische Flächenqualität kommen kann. Das Honorierungskonzept sieht eine auflagenabhängige Entlohnung in Höhe von 200 bis 350 Euro pro ha und Jahr vor, wozu noch bis zu drei qualitätsabhängige Zusatzprämien in Höhe von 100, 50 und 50 Euro kommen können. Pro ha/Jahr könnte ein Landwirt somit maximal 550 Euro ausgezahlt bekommen, davon 200 Euro qualitätsbedingt.

Die für die Bewertung der ökologischen Qualität von Grünland im Vergleich getesteten Methoden wurden einerseits in Anlehnung an die für die ergebnisorientierte Honorierung auf Grünland angewendeten Methoden in Baden-Württemberg und der Schweiz entwickelt, andererseits waren es Fortentwicklungen einer von der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (LÖBF) praktizierten Methode zur Effizienzkontrolle im Vertragsnaturschutz und einer an der Universität Bonn unter Prof. Schumacher entwickelten Bewertungsmethode zur Effizienzkontrolle im Vertragsnaturschutz. Als fünftes Testverfahren wurde das derzeit bereits zur Bewertung von Flora-Fauna-Habitat-Flächen angewendete Verfahren des MURL NRW in unveränderter Form getestet. Es schien vor allem aus Kostengründen nahe liegend, ein Bewertungsverfahren zur Honorierung von ökologischen Leistungen der Landwirte auf letzterer aufzubauen, damit zahlreiche mit dem Instrument
„Vertragsnaturschutz“ zu pflegende FFH-Flächen nicht doppelt kontrolliert werden müssen. Zudem gab dieses Verfahren im Vergleich der fünf Testmethoden ein gutes Bild ab, auch wenn es nicht speziell auf die Fragestellung dieses Projekts zugeschnittenen war.
Die ökonomische Ausgestaltung des Konzepts, die sich vor allem an rechtlichen Vorgaben seitens der EU, den anfallenden Kosten und der Prämienhöhe des derzeitigen Vertragsnaturschutzes und der anderer Agrarumweltprogramme orientierte, fand bei hierzu befragten Landwirten weitgehend Akzeptanz: in der Befragung gaben 71% an, dass sie dieses Konzept zumindest gleichwertig dem derzeitigen gegenüber empfinden würden. Ebenso wurde die Gestaltung der Auflagen in der von uns vorgeschlagenen Form begrüßt, wobei besonders die Flexibilisierung der zeitlichen Nutzungsbeschränkung und der Viehbesatzdichte befürwortet wurde.

Nach unseren Erkenntnissen sollte eine Einführung ergebnisorientierter Honorierungskomponenten in einer unserem Konzeptvorschlag ähnlichen Form in Nordrhein-Westfalen möglich sein. Die Betreuung und Bewertung der Vertragsnaturschutzflächen sollte so weit wie möglich in der Hand der Biologischen Stationen bleiben. Diese sollten die Freiräume der ergebnisorientierten Honorierung nutzen und den Landwirten Verträge mit möglichst wenig Bewirtschaftungsauflagen anbieten. Mit dem dann im Verhältnis relativ hohen ergebnisorientierten Anteil wird eine verstärkte betriebswirtschaftliche Ausrichtung auf die Naturschutzziele erwartet.

Publikationen

  • Henseleit, M. (2003): Erfassung, Analyse und Strukturierung notwendiger Voraussetzungen für die erfolgreiche Einführung ergebnisorientierter Honorierungskomponenten in das Kulturlandschaftsprogramm von Nordrhein-Westfalen, in: Korn, H.; Feit, U. (Hrsg.): Treffpunkt Biologische Vielfalt III. Bundesamt für Naturschutz, Bonn.

  • Henseleit, M.; Holm-Müller, K.; Möseler, B.M.; Vollmer, I. (2003): Möglichkeiten der Einführung ergebnisorientierter Komponenten in den Vertragsnaturschutz in Nordrhein-Westfalen, in: Nottmeyer-Linden, K. et al. (Bearb.): Angebotsnaturschutz. BfN-Skripten 89, Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz, Bonn.

  • Henseleit, M.; Holm-Müller, K. (2003): Voraussetzungen für die erfolgreiche Einführung ergebnisorientierter Komponenten in das Kulturlandschaftsprogramm Nordrhein-Westfalen, in: Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus e.V. (Hrsg.): Perspektiven in der Landnutzung - Regionen, Landschaften, Betriebe - Entscheidungsträger und Instrumente. Im Druck.

  • Vollmer, I., Henseleit, M., Holm-Müller, K. & Möseler, B.M. (2003): Erfassung, Analyse und Strukturierung notwendiger Voraussetzungen für die erfolgreiche Einführung ergebnisorientierter Komponenten in das Kulturlandschaftsprogramm des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. - Posterbeitrag im Rahmen der wissenschaftlichen Tagung des Dachverbandes Agrarforschung (DAF) e.V. am 24. und 25. Okt. 2002 an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig. - In Schriftenreihe Agrarspectrum Band 36: "Umweltindikatoren - Schlüssel für eine umweltverträgliche Land- und Forstwirtschaft", S. 266-267.


Zuletzt geändert: 01.08.2017