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Projektbeschreibung

Benefit Transfer: Eine Alternative zur primären Umweltbewertung?


Ziele:
Empirische Untersuchung zur Prognosequalität von nationalen und internationalen
Nutzenwertübertragungen; Aufzeigen von Fehlerquellen und Diskussion von Ansätzen zu ihrer
Vermeidung


Beschreibung:
Die Durchführung von monetären Umweltbewertungsstudien erfordert einen erheblichen
finanziellen und zeitlichen Aufwand. Als denkbare Alternative bietet sich das Benefit Transfer
Verfahren an, das die Nutzenwerte einer Primärstudie auf eine ähnliche Problemstellung an
einem anderen Ort überträgt, um eine etwaige Wohlfahrtsveränderung zu prognostizieren.
Dieser Ansatz, der bereits seit mehreren Jahren praktiziert wird, wird in der vorliegenden
Arbeit hinsichtlich seiner Prognosequalität untersucht werden. Im Fokus der Betrachtung steht
hierbei die statistische Gültigkeit der Nutzenwertübertragung bei variierenden Genauigkeiten.
Neben der Auswertung von vorherigen Vergleichsstudien aus der Literatur werden ferner die
Resultate einer eigenen Studie ausgewertet, die erstmalig eine Qualitätsuntersuchung des
nationalen und internationalen Benefit Transfer Ansatzes in einer Studie vornimmt und damit
eine direkte Gegenüberstellung der Genauigkeiten ermöglicht.

Für die Genauigkeitsuntersuchung wurde mit Hilfe der Kontingenten Bewertungsmethode die
Zahlungsbereitschaft für eine Wasserqualitätsverbesserung an zwei Freizeitgewässern in
Deutschland unter fast identischen Bedingungen erfaßt. Sowohl die Gestaltung des
Fragebogens als auch die Auswahl der Gewässer waren dabei stark an zwei norwegische
Studien angelehnt, um die Untersuchung des internationalen Benefit Transfers zu ermöglichen.

Im Rahmen der Studie wurden drei verschiedene Ansätze der Nutzenwertübertragung
betrachtet: Der Direct Benefit Transfer, der Adjusted Benefit Transfer und der Benefit
Function Transfer. Die Hypothesentests, die eine Gleichheit der mittleren Zahlungsbereitschaft bzw. der Koeffizienten der Bewertungsfunktion unterstellen, zeigen ein uneinheitliches Bild. Während für die internationalen Nutzenwertübertragung sämtliche Hypothesen abgelehnt
werden mußten, konnten für die Übertragungen zwischen den beiden deutschen Standorten die Hypothesen für die "höherwertigen" Verfahren des Adjusted Benefit Transfers und des Benefit Function Transfers bei tolerierten Abweichungen von 40% bis 60% angenommen werden. Die Ursache für das Scheitern des internationalen Transfers liegen primär in den untypisch hohen Zahlungsbereitschaften der norwegischen Studie. Dies haben Vergleiche zu anderen norwegischen Studien ergeben, die ebenfalls eine Untersuchung zur
Wasserqualitätsverbesserung vorgenommen haben. Darüber hinaus tragen sicherlich auch nicht identifizierte Einflußvariablen eine Rolle, die auch für die innerdeutsche Nutzenwertübertragung als Verzerrungsursache in Frage kommen.


Beginn: Juni 1999 Ende: Mai 2002
Dauer: 36 Monate Status: abgeschlossen
Betreuer: Frau Prof. Dr. Karin Holm-Müller
Finanzierung: Stiftung der Deutschen Wirtschaft (SDW)
Kooperationen: Universität Rostock, Ansprechpartner: PD Dr. Hans Eidinger
Bearbeiter: Dipl.-Ing. Thilo Muthke

Publikationen

  • Muthke,T. (2002): Benefit-Transfer: eine Alternative zur primären Umweltbewertung? Eine empirische Untersuchung zur Prognosequalität nationaler und internationaler Nutzenwertübertragungen. FAA, Forschungsges. für Agrarpolitik und Agrarsoziologie, Bonn.

  • Holm-Müller, K., Muthke, T. (2001): Aktueller Einsatz und Perspektiven der Nutzen-Kosten-Untersuchung zur Vorbereitung von Investitionsentscheidungen in der Wasserwirtschaft, in: Zeitschrift für Umweltpolitik & Umweltrecht 3/2001, S. 455-473

  • Muthke, T. (2001): Benefit Transfer: Eine Alternative zur primären Bewertung von Umwelt- und Freizeitgütern? In: Ökonomische Bewertung von Umweltgütern -Methodenfragen zur Kontingenten Bewertung und praktische Erfahrungen im deutschsprachigen Raum-. Hrsg. Elsasser, P. und Meyerhoff, J., Metropolis Verlag, Marburg, S. 269-290.

  • Muthke, T. (1999): Ökonomische Bewertung von Abwasserentsorgungsvarianten im ländlichen Raum, Rostocker Agrar- und Umweltwissenschaftliche Beiträge.

Zuletzt geändert: 01.08.2017